Veröffentlicht in Allgemein

Elohim Saga – Perseiden: Leseprobe

1

Es war an einem Sonntagmorgen zur Herbstzeit,
just als der Buchweizen blüht;
die Sonne war hell am Himmel aufgegangen,
der Morgenwind ging warm über die Stoppeln,
die Lerchen sangen in der Luft,
die Bienen summten im Buchweizen (…).
Der Hase und der Igel

COPY&PASTE_4_092855_018-01.jpeg

 

Ein altes schlichtes Herrenhaus aus rotem Stein mit zwei dreistöckigen Wohntürmen, einer Dreiflügelanlage, einem großen Wintergarten bestehend aus Säulen und einem Schornstein, der den Himmel zu berühren schien, stand auf einer weiten Landebene. Alt und scheinbar verlassen, doch nur auf den ersten Blick, wartete das Haus auf seine Gäste.

   Die alten Backsteinmauern wirkten zerrissen inmitten der ansehnlichen Landschaft aus weiten Ebenen, welche bis zum Horizont reichten, dunkle Felder aus Flieder und Mohn abwechselnd mit Graslandschaften. Wollte das Haus zerfallen oder befand es sich im Wandel zur Auferstehung?

   Vor den großen Türen des Hauses, die stets weit offenstanden, schien ein Blitz einzuschlagen, so hell erstrahlte dort ein Licht, welches einen Mann und eine Frau preisgab, die aus dem Nichts erschienen waren.

   Die Frau ging voraus, direkt die Treppen zur Eingangstür hinauf, während das blaue bodenlange Kleid ihren zierlichen Körper umspielte. Wie Sterne strahlten die Diamanten auf dem Stoff im Licht der Abendsonne. Um ihre Schultern lag ein Mantel aus demselben blauen Stoff, half die Kühle der Jahreszeit fernzuhalten und ließ gleichzeitig ihr rückenlanges blondes Haar wie einen Kranz erstrahlen. Um ihren Hals trug sie ein Medaillon aus Silber mit vier kleinen und einem großen Edelstein in der Mitte.

   Gleich hinter der Dame ging ihr Gefährte. Er ging stets hinter ihr, da ihr Auftreten bei Weitem imposanter war als seines. Der Mann im schwarzen Anzug hatte langes dunkles Haar, das zu einem Seitenzopf gebunden war. Sein Gesicht glich dem seiner Begleitung, harte Züge wie in Stein gemeißelt und strahlende blaue Augen umrahmt von langen Wimpern. Ein Lächeln würde ihn schöner aussehen lassen.

   Das Paar betrat das Herrenhaus, geriet dennoch nicht in Verzückung wie andere Neuankömmlinge, die zum ersten Mal die Inneneinrichtung des Hauses sahen. Das kaputte Dach schien wie aufgebrochen und bot einen freien Blick auf den bevorstehenden Nachthimmel. Das Dach wurde einst absichtlich zerstört, um Regen und Sonne in sein Innerstes zu locken, damit die Pflanzenpracht gedeihen konnte. Das Paar widmete der Vielzahl von Blumen keines Blickes, zu oft hatten sie die Ranunkeln gesehen, welche sich um das Treppengeländer wanden wie Schlangen, ebenso die verschiedenfarbigen Rosen, deren dicke Dornen die Wandverkleidung zerkratzten, oder die Chrysanthemen, die prachtvoll ihre Köpfe gen Dach streckten. Und Aberhunderte anderer Blumen, eine farbintensiver als die andere. Düfte, herb wie süß, schwebten durch den Raum und legten sich auf die Besucher wie ein schwerer Mantel.

   Die Dame im Sternenkleid und ihr Gefährte gingen durch die Eingangshalle in den hinteren Teil des Gebäudes, wo die Blumen ebenfalls alles für sich eingenommen hatten, dafür aber die Wände Säulen wichen und den Blick freigaben auf die Landschaft und die untergehende Sonne.

   Inmitten der Blumenpracht stand ein goldener Tisch mit passenden Stühlen auf weichem Moos. Ein Festmahl mit feinsten Leckereien war angerichtet. Dampfende Wärme nahm den Tisch ein und die Anwesenden blickten auf, kaum betrat das Paar das Ambiente.

   Die Gäste standen auf und zeigten mit einem Nicken ihre Ergebenheit und ihren Respekt dem Paar gegenüber. Als sie sich auf die zwei letzten leeren Stühle setzten, setzten sich auch alle anderen. Die Frau im Sternenkleid lächelte jedem der Anwesenden zu, die sie argwöhnisch begutachteten. Sie war ihre oberste Göttin, die Sternenkönigin, während ihr Gefährte der Schattenprinz, Herrscher über die Dunkelheit, war.

   Die Göttin blickte zu dem Mann ihr gegenüber.

   »Meine Göttin …«

   Akshar, der Astralgott des Feuers. Er glich jenem Tier, welches in Wirklichkeit in ihm wohnte – ein Löwe. Sein goldbraunes Haar passte zu seinen goldenen Augen.

   Die anwesenden Halbgötter sowie Halbblüter und Reinblüter schwiegen und lauschten der Unterhaltung des Feuergottes mit der Sternenkönigin. Ebenso der Schattenprinz.

   »Akshar, was führt uns zusammen? Wieso hast du Opal und mich herbestellt?«, wollte die Göttin wissen und schweifte mit ihrem Blick zu einer Säule auf der rechten Seite, wo der Protektor mit seiner rechten Hand stand. Balians blaue Augen fingen ihren Blick für den Bruchteil einer Sekunde auf, dann sah er wieder zu dem Mann an seiner Seite. Balian wirkte ruhig, nichts deutete auf eine Gefahr hin. Eden reichte ihm ein Glas, welches der Protektor annahm, jedoch nicht trank. Er trank nie Alkohol, sein einziges Laster war der Mann neben ihn.

   Die Augen der Sternenkönigin fanden wieder den Feuergott.

   Akshar lächelte. Neben ihm saßen die anderen drei Astralgötter. Jeder von ihnen aß genüsslich, während das Götterpaar das Gefühl hatte, es herrschte eine gedrückte Stimmung. Oder bildeten sie sich das nur ein?

   »Akshar, Ophelia hat dich etwas gefragt«, sagte Opal. Er drehte das Messer neben seinem Teller mit der Hand hin und her, um seine Nervosität zu überspielen. Eine dumme Angewohnheit von ihm. Opal blickte nicht nur zum Feuergott, sondern auch zu den anderen Astralgöttern. Zu Muhad’did, dem Gott des Elements Wasser mit den weißen Haaren, dessen Statur, der eines Eisbären ähnelte. Rechts vom Löwen saß Evangeline, deren weißes langes Haar ihrem weißen Gefieder glich, welches sie sonst als Eule besaß. Und rechts vom Herrn des Wassers saß die Erdgöttin Luella, von Kopf bis Fuß in Grünschwarz wie ihr sonst so langer Schlangenkörper.

   Ophelia konnte das Unbehagen ihres Gefährten spüren. Sie konnte alles fühlen, was er fühlte. Und er konnte alles fühlen, was sie fühlte.

   »Keine Sorge, Opal, ich habe deine Frau schon verstanden«, meinte Akshar grinsend. Er verschränkte seine Hände ineinander und legte sein Kinn darauf, dann betrachtete er die Sternenkönigin ihm gegenüber mit einem Lächeln.

   Seine vorlaute Bemerkung ließen den Protektor und seine rechte Hand aufhorchen. Beide blickten den Löwengott an.

   »Verzeih mir, Sternenkönigin. Du weißt, dass ich vor einem Jahr begann, die Länder zu durchstreifen. Ich meine, unsere Welt ist ein großer Ort. Es gibt viel zu entdecken und ich habe bei Weitem noch nicht alles gesehen, da … kam ich in eine bemerkenswert alte Stadt. Dort erzählen sich die Menschen die erstaunlichsten Geschichten. Legenden über vollkommene Wesen, böse wie gute. Du kennst die Stadt sicherlich«, erzählte Akshar und musterte die Göttin, ehe er den Namen aussprach. »Rosenstock.«

   Balian blickte wieder zum Feuergott, schockiert sah er zu Ophelia und dann zu Eden, seiner rechten Hand. Opal ließ das Messer los und sah sein Gegenüber ebenfalls an.

   Akshar grinste und lehnte sich zurück.

   »Ich sehe, ihr erinnert euch. Du, Opal und dein Protektor. Ihr erinnert euch alle, oder? Ich habe sie gefunden. Ich habe sechs Särge gefunden. Kosmos, Chaos und die Vierheit. Ihr habt sie versteckt, oder? Habt sie zu Fall gebracht, um eure Macht weiter auszubauen. Ihr könnt uns nicht mehr hinters Licht führen. Durch den Protektor der beiden habe ich die Wahrheit gezeigt bekommen, mir wurden all eure Lügen gezeigt.«

   Alle Augenpaare schienen auf die Sternenkönigin und den Schattenprinzen gerichtet.

   Ophelia sollte beunruhigt sein, doch noch konnte sie Haltung bewahren. Ihre größte Stärke war ihr Selbstbewusstsein.

   »Akshar, du irrst dich. Die Vierheit musste eingesperrt werden, weil sie für den Untergang unserer Welt sorgten. Sie hätten alles Leben hier ausgelöscht. Sie …«

   Der Löwengott unterbrach die Sternenkönigin, indem er auf den Tisch schlug. Besteck fiel zu Boden und ein Glas kippte zur Seite. Der rote Inhalt verteilte sich über die goldene Oberfläche.

   »Lügen! Alles Lügen! Ihr könnt uns nichts mehr vormachen. Eure Herrschaft ist heute beendet.«

   Kaum hatte Akshar die Worte ausgesprochen, schlangen sich schwarze großgliedrige Ketten um Ophelias und Opals Körper. Das Ehepaar versuchte ihre Kräfte von Licht und Dunkelheit zu aktivieren, doch es gelang ihnen nicht. Hinter ihnen standen die Domestiken, Diener der Astralgötter, je zwei von ihnen hielten die Ketten und wickelten diese immer wieder um das Götterpaar. Opal versuchte sich ohne seine Kräfte zu wehren, während Ophelia zu ihrem Protektor blickte, der in einer ähnlichen Situation feststeckte. Eden schien bereits fort zu sein und Balian wurden mehrere Schwerter an die Kehle gehalten. Er rührte sich nicht.

   Akshar stand vom Tisch auf.

   »Wie gefallen euch die Fesseln aus Onxy? Die Ketten hat mir der Protektor der Vierheit gegeben. Sie bannen eure Gaben, sie beeinträchtigen euch. Und bis wir herausgefunden haben, wie wir die Vierheit erwecken können, bleibt ihr unsere Gefangenen«, klärte Akshar auf.

   »Was fällt dir ein?«, rief Opal wütend. Er hätte ihn zu gerne mit jedem einzelnen Dämon in Stücke gerissen, doch sein Ruf verschwand ins Leere, seine Dunkelheit nichts weiter als ein fernes Bild im Nebel.

    Ophelia schaute ins Leere. Ihr Körper fühlte sich schwach an, ihr Herz schwer in ihrer Brust. Sie glaubte, der Ohnmacht nahe zu sein. Sie konnte nicht glauben, dass sie den Elementargöttern einfach so ausgeliefert sein würde. Wie konnte sie deren aufkommenden Verrat nicht bemerkt haben? Was hatte sie übersehen?

   Die Göttin unterdrückte die aufkommenden Tränen. Zaghaft beugte sie den Kopf, schaute auf das Medaillon um ihren Hals. Leuchtend und mächtig schien es in alle Welten zu blicken. Schließlich wurde es Zeit.

   Ophelia blickte auf das handflächengroße silberne Medaillon mit seinen Gravuren und den vier runden Edelsteinen, die den Himmelsrichtungen nachempfunden schienen. Und in der Mitte das scheinbar allsehende Auge, das dem Sternenhimmel ähnlich sah: ein Lapislazuli.

   »Ich hoffe, ich tue das Richtige«, flüsterte Ophelia. »Geliebtes Licht, bring es zu ihr. Lass sie es irgendwie erkennen und ihr auf ihrer Reise helfen …«

   Ihr Körper begann zu leuchten.

   Die Göttin sah auf, blickte die Astralgötter, Halbgötter und Reinblüter an. Ihre Feinde hatten bereits bemerkt, dass der Lapislazuli erstrahlte wie der Nachthimmel.

   »Ihr denkt, dass ihr gewonnen habt, weil ihr uns beide gefangen genommen habt, doch seid euch gewiss, dass wir euch das niemals verzeihen werden. Obwohl wir alles für euch getan haben, tut ihr uns so etwas an! Wir sind eure Götter, und so verratet ihr uns!«, schrie sie.

   Die Domestiken versuchten die Ketten enger zu ziehen, doch es gelang Ophelia, das letzte bisschen Macht aufkeimen zu lassen und dem Medaillon um ihrem Hals die Möglichkeit zur Flucht zu geben. Das Herzfinster durfte nicht in die Hände der Astralgötter gelangen. Niemals. Sie hatte es versprochen.

   »Akzeptiert einfach euer beider Ende«, sagte der Löwengott mit einem finsteren Grinsen. Er sprang auf den Tisch und ging über die Tafel auf die Sternenkönigin zu, während er Gläser, Teller und Vasen umstieß. Schließlich landete er neben ihr auf dem Boden und streckte seine Hand aus, um das Medaillon zu packen. Aber das Schmuckstück löste sich im Nichts auf, so als hätte es nie existiert, als wäre es ein Geist.

   »Was?«

   Der Löwe starrte schockiert auf ihren leeren Hals.

   Nun grinste Ophelia.

   »Du bekommst das Herzfinster niemals.«

   Der Astralgott packte die Frau.

   »Wo ist es?«, schrie er und schlug mit offener Hand in ihr Gesicht. Sie blieb unbeeindruckt.

   »Das Herzfinster wird ein Mädchen finden, welches unseren Platz einnehmen wird. Dieses Mädchen, wird auserwählt sein, Großes zu tun und Großes zu sein. Größer als ihr es je sein werdet. Sie wird euch vernichten und uns befreien.«

   Akshar schlug sie wieder.

   Ophelia lachte daraufhin amüsiert. Opal grinste ebenfalls. Vielleicht hatten sie sich überlisten lassen, doch niemals würde sich das Götterpaar besiegen lassen. Dazu trugen sie zu große Macht und Verantwortung.

   Schließlich ließen sich beide widerwillig abführen.

 

***

 

WARNUNG: ALLE INHALTE (TEXT UND BILDER) GEHÖREN JENNIFER BAADE. OHNE DAS EINVERSTÄNDNIS DER URHEBERIN JENNIFER BAADE DÜRFEN WEDER TEXT NOCH BILDER GETEILT; KOPIERT ODER WEITERGELEITET WERDEN! VIELEN DANK FÜR DAS VERSTÄNDNIS!

Autor:

Schriftstellerin & Künstlerin

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s