Veröffentlicht in Allgemein, Schriftstellerin

Wo fang ich an?

6. Begrüßung

mit einer Geschichte zu beginnen ist nicht einfach. Das kenne ich selbst. Obwohl es manchmal sogar meist der einfachste Schritt ist. Bei der Eröffnung ist man noch frei, bis man immer mehr in Regeln und Ordnungen eingequetscht wird.

Es ist, als wäre es gestern gewesen, als ich mit Elohim Saga anfing. Es gab eigentlich eine kürzere Geschichte davon, die ich mit fünfzehn (?) schrieb. Weiß ich nicht mehr genau. Die Geschichte hatte mir wirklich etwas bedeuten. Dann war lange irgendwie alles weg und dann mit neunzehn Jahren ging es richtig los, nachdem ich den Flyer eines Schreibwettbewerbs sah. Danach hörte ich eine ganze Weile nicht mehr mit dem Schreiben auf. Ich schrieb drei Mehrteiler und einige einzelnde Geschichten vor Elohim Saga, ehe ich merkte, das ist es nicht und entdeckte diese alte Geschichte von damals als ich noch ein Teenager war. Ich nahm jene Geschichte und meine Mehrteiler und formte aus ihnen Elohim Saga. Es passte irgendwie alles zusammen. Als sollte es schon immer zusammen gehören – wie ein Puzzle.

Am wichtigsten war erstmal alle Szenen und Figuren in Puzzle Form zu bekommen. Es passte nicht alles auf Anhieb. Das wäre wohl auch zu einfach. Meine Hauptfigur erschuf ich ganz neu. Ich nahm nur den Namen aus einer anderen Geschichte, aber sie wurde dennoch ganz neu. Ich wollte jemand freches, tollpatschiges und am Ende ist sie wie ich geworden. So geht es natürlich auch, oder? Ist es normal, dass manche Figuren uns so sehr ähneln? Ich wusste es nicht. Manche mochten meine Hauptfigur nicht, andere ja. Manche mögen mich nicht, andere schon. Also muss es so sein, oder? Ich dachte daran, wenn Menschen sie nicht mögen, würden sie mich auch nicht mögen, eben weil wir uns so ähnlich sind. Ob das Einbildung ist?

In einem An- und Verkauf fand ich ein altes Märchenbuch. Italienische, französische und spanische Märchen. Ich möchte die deutschen Märchen nur wenig, mich nervte dieses Tischlein, Fingerlein-Gedöns sehr. Und irgendwie waren die deutschen Märchen komisch. Als ich dieses Buch dann fand, wurde mir klar, was Märchen wirklich sind und das die meisten deutschen Märchen alle geklaut worden sind. So ist es eben, wenn die Franzosen in der napoleonischen Zeit Deutschland einnehmen. Sie bauten nicht nur den Kölner Dom, sondern hinterließen einige Märchen, die die Gebrüder Grimms mit aufschrieben. Dennoch sind die Originalmärchen aus Frankreich und Italien wesentlich schöner, um einiges schöner. Auch wesentlich besser geschrieben. Und so fanden die Märchen ihren Weg in meine Geschichte.

Ich wollte unbedingt über Märchen schreiben, daher hatte ich genügend Bücher gewälzt und haufenweise Märchen gelesen, recherchiert im Internet und der Bibliothek und alles aufgeschrieben, was im entfernsten hilfreich sein würde für meine Geschichte. Von bösen Stiefmüttern bis hin zu einfachen Gegenständen, die das Märchen beeinflussten. Ich meine, alles kann Helfen etwas zum Guten oder Schlechten zu schreiben. Wie Cinderella, sie spielt in meiner Geschichte die ermordete Königin. Doch wurde sie wirklich ermordet? Und wenn ja, von wem? Oder war es ein Unfall? Selbst für mich zuerst ein Rätsel. Ich versuche nicht gleich die Lösung parat zu haben, um selbst für mich alles noch ein wenig spannend zu gestalten.

Aus den vielen Notizen über Märchen und Sagen aus allen Ländern, formte ich dann Gedanken. Ich suchte Figuren, die auch in meinem Buch zu Charakteren werden würden und welche die ich umbaute, damit sie passten. Ich formte und bastelte, aber das Wichtigste ist eben die Recherche, welches Thema das Buch haben sollte. Auch nahm ich das Thema Liebe mit hinein. Es sollte nicht kitschig sein und die Liebe gibt es in verschiedenen Formen, nicht nur bei einem rein heterosexuellen Paar. Es geht um Familie, den Zusammenhalt und das Vertrauen. Natürlich könnte auch das Thema Krieg passen oder einen Schatz suchen, jemanden Retten (und dabei muss es nicht die Jungfrau in Nöten sein). Die Figuren brauchen ein Ziel – nur welches ist es?

Auch dieses war mir anfangs noch nicht ganz bewusst. Die ersten Wochen schreibe ich stets einfach drauf los, immer einige Kapitel, um mehr Bezug zur Geschichte zu bekommen, ehe ich bis zum Ende alles plane (oder wie die meisten sagen – plotten). Ich plotte nicht. Ich plane. Ob es dasselbe ist, keine Ahnung. Ich habe mich noch nie mit dem Plotten beschäftigt. Nicht nur das ich das Wort nicht mochte. Ich habe das erste Mal von dem Wort letztes Jahr gehört. Warum? Weil ich erst mit 22 Jahre das erste Mal Internet hatte und erst letztes Jahr Kontakt zu anderen Schreiberlingen. Daher hatte ich von nichts eine Ahnung und habe immer alles so gemacht, wie ich es für richtig hielt. Ich halte mich sozusagen an meine eigenen Regeln des Schreibens.

Wenn ich dann so rumpuzzle, nachdem ich eine Weile den Anfang, der in meinem Kopf herrscht, geschrieben habe, und allem eine Struktur gebe, dauert es, bis der Knoten platzt und ich mir sage „Ah, alles klar!“. Denn auch für mich ist alles noch ein Geheimnis und auch wenn ich alles in meinen Gedanken sehe wie einen Film und dieser sich in jeder erdenklichen Minute abspielt, so warte ich immer noch, dass mir die Figuren zu flüstern, welche Wünschen sie haben, welche Ziele, welche Liebe. Bis ich das alles weiß, können schon einige Monate vergehen. Beim zweiten Teil meiner Elohim Saga, an dem ich derzeit schreibe, habe ich zum dritten Mal alles umgeworfen, weil sich die Charaktere einfach nicht einig waren. Und selbst aus dem ersten Teil flüstern sie mir noch zu… gar nicht einfach. Manche Stimmen müssen ignoriert werden.

Manche nehmen Checklisten, um ihren Weg – den sogenannten roten Faden – zu finden, wie ich finde eine gute Idee. Nur ich bin eher der Gefühlsmensch, schreibe einfach, achte nicht auf Regeln in dem Sinne. Bei mir schreiben die Finger von allein. Schon nach den ersten Seiten habe ich bereits keine Kontrolle mehr über meine Geschichte, über die Figuren und alles was dazu gehört, sondern sie denken und handeln selbst. Meine Finger schweben nur über die Tastatur. Ich bin dann nicht mehr Ich selbst, werde benutzt von ihnen, bis die letzte Seite geschrieben ist. Und dann bin ich meist wieder her über die Lage, darf überarbeiten und alles gerade biegen, was sie versaut haben. XD

So sieht es bei mir aus, wenn eine Geschichte beginnt. Wie ist es bei dir?

2. Schluss

Autor:

Schriftstellerin & Künstlerin

6 Kommentare zu „Wo fang ich an?

  1. Also erstmal muss ich sagen: nur weil so manch einer deine „Hauptperson“ nicht mag, heißt das noch lange nicht, dass sie dich nicht mögen. Da ist nämlich noch dieser entscheidenene Unterschied, dass du real bist!
    Mein Anfang schaut quasi so aus, dass sich eine Idee in mein Kopf brennt, ich Charaktere erstelle und zum Leben erwecke und dann erstmal lange auf eine weiße Seite schaue und darauf warte, dass die Geschichte beginnt. Dabei ist das zweite Kapitel + die größere Herrausforderung, um ehrlich zu sein. Aber entweder es will geschrieben werden und da tauchen Wörter auf, oder aber die Idee ist nicht stark genug und die Seie bleibt leer. Beides kommt vor und mit beidem muss und kann ich leben 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Jen,

    ein schöner Beitrag über dein kreatives Schreiben und die Entstehung deiner Elohim-Saga. 😀 Und ein neues Logo hast du auch, sehr schick! Das du von Beginn an so gehandelt hast, wie du es für richtig hieltest, finde ich super. So muss es doch sein, oder? Wenn wir uns durch zu viele Ratschläge aus Büchern oder dem Internet kirre machen lassen, fangen wir am Ende nie an mit schreiben. Eine Geschichte ist ein kreativer Prozess, dafür braucht man nur sich und die eigene Fantasie. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Schreiben und bin gespannt, wohin uns die Reise rund um Klee führen wird. 🙂

    Liebe Grüße
    Ella

    Gefällt 1 Person

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