Veröffentlicht in Allgemein, Blog, Schriftstellerin

Absagen, Absagen und noch mehr Absagen…

6. Begrüßung

2009 begann ich mit dem Schreiben, wie ich bereits erzählt habe. Seit jenem Tag, habe ich mich mit meinen Geschichten bei Verlagen beworben und natürlich gelang es mir nicht, meine Geschichten an einen Verlag zu bringen. Es entmutigte mich, machte mich traurig und ließ mich denken, es läge an mir, also arbeitete ich an mir wie eine Verrückte um besser zu werden.

Wieder bewarb ich mich. Wieder absagen. Bald dachte ich, vielleicht könne ich ja gar nicht schreiben, vielleicht habe ich gar kein Talent. Sollte ich aufhören zu schreiben? Ich gab fremden Menschen meine Geschichte zum Lesen und sie waren begeistert, natürlich musste einiges gemacht werden, aber sie waren begeistert. Hieß das also, dass ich doch zum Schreiben taugte? Zwei Jahre lang machte ich eine Schreibpause, überlegte, was ich tun sollte, wohin ich wollte und dann fing ich letztes Jahr wieder an zu schreiben. Ich bewarb mich noch einmal bei jedem Verlag, den ich kannte und schwor mir, wenn es wieder nicht klappt, veröffentliche ich es selber.

Natürlich nahm mich wieder kein Verlag. Also suchte ich mir eine Lektorin, jemanden, der mein Cover macht, schrieb andere Selfpublisher an um zu erfahren, wie der richtige Weg aussieht. Kein leichtes Unterfangen, ein Lektorat kostet einiges und auch das Cover, aber ich wollte, dass alles perfekt ist, dass niemand meine Geschichte zerreißt, aufgrund von fehlenden Lektorat oder wegen einem hässlichen Cover. Ich wollte für alle Cover-Käufer ein richtig schönes, einen Hingucker und ich denke, meine kleinen Wünsche konnte ich erreichen.

Dann vor einiger Zeit entdeckte ich einen neuen kleineren Verlag und bewarb mich dort, nachdem wir ausgiebig über Facebook-Messenger geschrieben hatten. Ich zeigte ihr mein Cover, meine Zeichnungen. Sie war begeistert. Ich kam sogar eine Runde weiter, durfte ihr mein gesamtes Manuskript zeigen und dann … kam eine Absage vor einigen Tagen.

Es ist nicht leicht, euch davon erzählen, da ich mich schäme und Angst habe, dass ihr deswegen Vorurteile meiner Geschichte gegenüber entwickelt und sie vielleicht nie lesen wollt. Aber ich möchte es tun, um zu zeigen, wie viel Blut und Tränen hinter jeder Geschichte stecken. Und auch nach dieser Absage weinte ich bitterlich. Mein Herz wog schwer und ich zweifelte wieder an mir – das tue ich oft.

Ich schrieb mit meiner Lektorin und sie sagte mir folgende Worte: „Lass dich nicht so verunsichern von einer Absage! Nicht umsonst ist das Selfpublishing so beliebt: Verlage lehnen 99 Prozent der Manuskripte ab, selbst wenn es nur eine Kleinikeit ist, die nicht hunderprozentig ins Programm passt. Da sind die leider sehr speziell, und wenn du Pech hast, musst du deine Geschichte an die Vorgaben des Verlages anpassen. Selbst Harry Potter wurde über dreißig Mal abgelehnt, also lass es nicht so nah an dich heran. Das Wichtigste ist, dass du DEINE Geschichte erzählst, so wie DU es willst, und du solltest das Schreiben niemals aufgeben! Denn zur Autorin machen dich nicht erst deine Leser, sondern die Leidenschaft, mit der du dem Schreiben nachgehst.“

Ihre Worte halfen. Und bei mir klingelte es. Harry Potter? Stimmt. Rowlings Buch wurde oft genug abgelehnt. Ich recherchierte. Und fand eine sehr interessante Seite darüber. (Zitate daraus, veröffentliche hier, ansonsten kann man gerne auch auf die Seite zugreifen, wo ich darüber las.)

>Aus Fehlern lernt man, so sagt man. Für britische Verlage scheint das nur eingeschränkt zuzutreffen. Als Joanne K. Rowling das Manuskript für ihren Kriminalroman „Der Ruf des Kuckucks“ einreichte, reagierten etliche Verleger mit Absagen – darunter auch einige, die vor zwei Jahrzehnten bereits den ersten Harry-Potter-Band abgelehnt hatten.

Unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt Rowling Detektivromane. Sie sind zwar nicht so erfolgreich wie die Harry-Potter-Saga, waren für den Verlag Sphere Books aber trotzdem ein großer kommerzieller Erfolg. Zunächst verkaufte sich der erste Band nur 1500 Mal. Dann aber enthüllte Rowling, dass sie hinter dem Pseudonym stecke. Sofort sprang das Buch auf Platz 1 der Beststellerlisten.

Bei Twitter veröffentlichte Rowling zwei Absageschreiben – um anderen Autoren Mut zu machen, und nicht um sich zu rächen, wie sie sagt.

Das Verlagshaus Constable & Robinson antwortete vergleichsweise freundlich: „Ich bedaure, dass wir schweren Herzens zu der Entscheidung gekommen sind, Ihr Buch nicht mit kommerziellem Erfolg veröffentlichen zu können.“ Die barscheste Absage habe Rowling von jenem Verlag erhalten, der bereits ihr Harry-Potter-Manuskript als erster abgelehnt hatte.<

Kaum zu glauben, oder? Mir taten diese Worte alleine schon gut, dann las ich noch weiter. Las, wie sich die Schriftstellerin Joanne Harris einklickte. Sie ist die Autorin, die das Buch Chocolate schrieb, verfilmt wurde das Buch mit Johnny Depp, eines meiner liebsten Filme. Und sie erzählte, sie habe so viele Absagen erhalten für ihren Roman, dass sie daraus eine Skulptur machte. Ach, ich musste so lachen. Stellt euch eine Skulptur vor, nur aus Absagen!

>Der Schriftsteller Andreas Eschbach sammelt Weltbestseller, die nur erschienen sind, weil ihre Schöpfer sich nicht haben entmutigen lassen. Damit will Eschbach angehenden Autorinnen und Autoren zeigen, dass Absagen der Normalfall sind. Ein schwedischer Verlag lehnte Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ ab, Umberto Eco hatte mit „Der Name der Rose“ erst beim 28. Anlauf Erfolg und für „Im Westen nichts Neues“, das erfolgreichste Buch der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kassierte Erich Maria Remarque gar 120 Absagen.<

Ich musste diesen Absatz zwei mal lesen. So viele Absagen? Wenn ich meine zusammen zählte, müssten das ähnlich viele sein. Also bin ich keine Versagerin? Also kann ich vielleicht doch schreiben, und mich kann einfach Verlag unter bringen, weil ich nicht zum Mainstream gehöre? Ich las vor einiger Zeit, das Stephenie Meyer ebenso viele Absagen erhielt. Und dann las ich den letzten Abschnitt, einen, der mich wirklich zum Lachen brachte und wo ich dachte, okay ich zweifle nie wieder an mir:

>Erfolg im Literaturbetrieb scheint bis zu einem gewissen Grad ein Glücksspiel zu sein – oder zumindest große Hartnäckigkeit zu erfordern. Besonders deutlich zeigte das der britische Autor David Lassman. Er hatte selbst etliche Absagen für sein eigenes Buchmanuskript erhalten und wollte es den Lektoren heimzahlen. Unter Pseudonym verschickte er die ersten Kapitel dreier Romane von Jane Austen und veränderte dabei lediglich Titel, Namen und Orte.

Nur ein einziger Verlag erkannte die Werke – und das, obwohl der Beginn des Bestsellers „Stolz und Vorurteil“ unverändert blieb. „In der ganzen Welt gilt es als ausgemachte Wahrheit, dass ein begüterter Junggeselle unbedingt nach einer Frau Ausschau halten muss“ gilt als einer der berühmtesten Romananfänge der Literaturgeschichte.<

Was sagt uns das? Das wir niemals aufgeben sollten, dass wir um unsere Träume kämpfen sollten, dass wir hartnäckig bleiben müssen und eben alles selbst in die Hand nehmen müssen. Wenn wir schon das (meist verfluchte) Internet haben, dann sollten wir es auch für uns nutzen. Schicken wir unsere Geschichten in die Welt hinaus…

Lass dir niemals von irgendjemanden einreden, du kannst etwas nicht. Du hast einen Traum, du musst ihn beschützen. Wenn Menschen etwas selbst nicht können, werden sie zu dir sagen, du kannst es nicht. Du willst etwas, geh und hol es dir. Punkt.
Will Smith

Es ist nicht leicht der Weg. Aber ich gebe nicht auf und hoffe, wünsche mir, dass ihr auch nicht aufgebt, dass wir uns gegenseitig unterstützen, unsere Geschichten. Wir sind voller Worte und unsere Aufgabe ist es, diese in die Welt hinaus zu tragen…

2. Schluss

 

Autor:

Schriftstellerin & Künstlerin

26 Kommentare zu „Absagen, Absagen und noch mehr Absagen…

  1. Du solltest dich auf keinen Fall schämen, weil ich es sehr mutig finde, wie du über dieses Thema sprichst. Absagen sind in jeder Form oft wie eine „Ablehnung“, aber das eine hat oft nichts mit dem anderen zu tun. Ich kenne dies aus dem Personalbereich, wo man manchmal ganz praktische Gründe hat, die man jedoch nicht extern kommunizieren kann, wodurch es zu einer Absage kommt.
    Schön, dass du nie aufgegeben hast.

    Gefällt 2 Personen

      1. Hi Jen, ich habe Hochachtung vor Deiner Hartnäckigkeit. Gib weniger Geld aus für Cover oä. und versuch es einfach weiter. Lektorat oder jemanden zu kennen(Deutschlehrer oä.) der korrigieren kann ist natürlich wichtig. Das sind meine Erkenntnisse

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo Jen! Ein wirklich toller Beitrag!
    Die Worte deiner Lektorin sind ebenfalls toll! Bleib an deiner Sache und gib nicht auf! Du hast ja selbst schon die unzähligen Beispiele genannt, die nach vielen Absagen doch noch zum Erfolg geführt haben!

    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Jennifer,

    was für ein toller Beitrag! Und auch mutig, so offen darüber zu schreiben. Ich kann mir vorstellen, dass diese Absagen nicht leicht zu verkraften waren. Ich war zwar noch nicht in solch einer Situation, aber ich vergleiche es mit der Absage für einen Job, den man unbedingt haben wollte. DAS kenne ich leider zu Genüge und ich war jedes Mal am Boden zerstört. Aber nach langem Warten und nicht aufgeben hat es geklappt. Deswegen finde ich die von dir ausgewählten Zitate sehr schön. Sie beweisen, dass jeder irgendwann mal für seine Träume kämpfen musste. Und, dass es sich lohnt!

    Liebe Grüße
    Ella ❤

    Gefällt 1 Person

  4. Halte unbedingt die Ohren steif! Wir müssen alle zusammenhalten! Jede Geschichte ist es wert, gehört zu werden, also darf man nie den Mut für seinen Traum verlieren! Das Zitat von Will Smith ist wirklich toll 🙂

    LG Katharina

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo Jen,

    ein ganz toller und offener Beitrag. Vielen Dank dafür! Da wird mir am frühen Morgen ganz warm ums Herz.
    Wirklich niemand sollte sich einreden lassen, etwas nicht zu können. Das ist ganz wichtig! Das bringe ich bereits meinen Kindern in jungen Jahren bei…oder gebe zumindst mein Bestes. 😉

    Leider gibt es immer wieder Situationen im Leben, die nicht rein objektiv sind. Noch schlimmer, Menschen nehmen sich nicht mehr die Zeit, sich mit Dingen zu beschäftigen und Talent und Leidenschaft zu erkennen. Niemand will mehr was entwickeln, alles muss schnell fertig sein. Wenn nicht, wird es eben ausgetauscht.

    Ich lese dich total gerne und freue mich über jedes Wort welches du uns schenkst. Und hier bekommst du den Applaus direkt frei Haus, von Menschen, die dich in ihre Mitte nehmen.

    Ein Buch hat den schönen Nebeneffekt etwas haptisches geschaffen zu haben. Etwas, was du zeigen kannst. Es ist aber meiner Meinung nach nicht das Ende der Weisheit. Lass dir Zeit und mach dir vor allem keinen Druck. Recherchiere immer mal wieder und versuche es in unregelmäßigen Abständen ohne Zwang.

    Ich finde es bewundernswert, wie offen du mit deinem „Scheitern“ umgehst. Wandel es in Energie um, es gibt ganz viele da draußen die erfahren das Gleiche. Vor allem sitzen ganz viele „Äffchen“ an den „wichtigen Hebeln“, die sind, wenn sie nach Hause kommen, auch nicht glücklicher…;)

    Es hat jetzt genug gelabert
    der Torsten

    Gefällt 1 Person

  6. Hallo Jen,
    die Zitate aus diesem Beitrag sind wirklich sehr ermutigend und amüsant! Wahrscheinlich ist es wirklich reines Glück, bei einem Verlag unter zu kommen. Lass dich auf jeden Fall nicht entmutigen! Auch nachdem man selbst veröffentlicht hat, kann auch noch ein Verlag um die Ecke kommen 😉
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt 1 Person

  7. Hallo Jen,

    danke für diesen Beitrag. Ich gebe zu, mich entmutigt er eher, weil ich auch alles andere als Mainstream schreibe. Aber ich hatte mir eh mittlerweile vorgenommen, notfalls selbst zu veröffentlichen, auch wenn das in meiner Berufssparte ein noch größeres Risiko ist, als überhaupt schon Unterhaltungsliteratur zu schreiben.

    Darf ich fragen, was du nun vorhast? Willst du noch einmal dein Buch verändern, in der Hoffnung, doch noch einen Verlag zu finden, oder doch lieber selbst veröffentlichen?

    Liebe Grüße
    Taaya

    Gefällt 1 Person

  8. Ein wirklich interessanter Beitrag und du solltest dich überhaupt nicht schämen. Mich ärgert es immer nur, wenn dann diese ganzen Youtuberbücher und ähnliches veröffentlicht werden, die am Ende von Ghostwritern sind oder was auch immer… aber naja, die Verlage sehen eben nur Zahlen, es sind Wirtschaftsbetriebe…

    Gefällt 1 Person

  9. Guten Morgen. Absagen sind nicht leicht zu verdauen, aber gehören dazu. Ebenso Menschen, die dich, deinen Schreibstil und deine Geschichten verstehen…nicht aufgeben, aber gelassener werden, dann kommt es so wie du dir wünschst. Lg

    Gefällt 1 Person

    1. Gelassen ist, denke ich, nicht ganz das richtige Wort für mich. Ich habe in meinem Leben viele Absagen bzw. schlechtes über mich sagen hören. Das prägt. Würde dich bestimmt auch, wenn andere zu dir sagen, du wärst dumm, könntest nichts etc. Da sticht jede Absage, gleich welcher Art, wie eine Nadel ins Herz und tut weh. Dabei werde ich wohl nie gelassen werden. Aber ich gebe mir Mühe, jeden Tag, das verspreche ich. 😘❤

      Gefällt 1 Person

      1. 😊 ich habe auf meinem Blog über ein Buch geschrieben. Titel: Am Arsch geht auch ein Weg vorbei…innere Einstellung ändern und sich nicht von dem Wohlwollen und Meinungen abhängig machen…bleib positiv und denk mal dran: wie viele Leute schaffen es überhaupt eine Geschichte zu schreiben und wie viele davon zeigen so ein Durchhaltevermögen? Wir kennen uns zwar nicht, aber ich glaube an deinen weiteren Erfolg, denn der erste liegt dir doch schon vor 😊

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s