Veröffentlicht in Allgemein, Schriftstellerin

Die ersten Buchstaben auf Papier

6. Begrüßung

es ist schwer zu beschreiben, wie eine Geschichte beginnt. Wie ich meine begonnen habe, aber ich versuche mich zu erinnern…

Die Urversion schrieb ich wohl mit vierzehn oder fünfzehn? Ich weiß es nicht mehr genau, vielleicht auch früher. Dann eine andere Version zwischen 2009 und 2012. Darin entstanden wohl neun Versionen, die ich in „Elohim Saga“ miteinbaute. Der größte Teil, die richtige Geschichte entstand 2012, da nahm ich meine allererste Geschichte von 2004 mit hinein. Nach meiner Pause schrieb ich diese Version letztes Jahr im Sommer 2016 um, bearbeite und bearbeite die Seiten, bis ich wirklich zufrieden war mit jeder einzelnen Seite. Ein langer Prozess, welcher bis Februar 2017 dauerte. Den 14ten, um genauer zu sein. Ich weiß noch, am Valentinstag war ich mit „Elohim Saga“ Teil Eins und Zwei fertig, zumindestens für die Lektorin.

Die meisten beginnen immer mit dem Plot, aber um ehrlich zu sein, habe ich bis heute nicht verstanden, was überhaupt ein Plot ist und wie der funktioniert. Wahrscheinlich schlagen sich jetzt einige die Hände über den Kopf. Aber das ist mir gleich. Ich weiß, eine Geschichte braucht eine Struktur. Ich weiß, sie braucht einen sogenannten roten Faden. Mehr brauche ich nicht zu wissen. Den Rest überlasse ich den Figuren.

Ich brauche nichts als ein Stück Papier und ein Schreibwerkzeug,
und ich werde die Welt aus den Angeln heben.

Friedrich Nietzsche

Meistens gehe ich so vor, dass ich zuerst die Figuren im Kopf habe. Entweder weiß ich erst den Namen oder erst das Aussehen. Beides macht es nicht leicht, das andere zu finden. Der Name verändert eine Figur. Zum Beispiel bei einer meiner männlichen Hauptfiguren. In einer früheren Version hieß er ganz anders und dieser Name machte ihn weich, sensibel, etwas das nicht zu ihm und seiner Geschichte passte. Ich änderte den Namen vier Mal, nur passte es noch immer nicht. Dann, als ich dabei war in Mythologien aus anderen Ländern zu lesen, fiel mir dieser Name ins Auge und dieser wurde dann zu dem passenden Namen meiner Figur, wild, frei, stark, mächtig, entschlossen und gar finster. Genau so, wie ich meinen Charakter wollte.

Namen sind alles. Und zu jedem Namen gibt es – für mich – das passende Aussehen. Ich mag auch nur ungewöhnliche oder außergewöhnliche, gerne auch alte Namen. Ich kann mit Namen wie Lena, Lisa oder Marie nichts anfangen. Ich würde und könnte sie nie in eine Geschichte mit hinein nehmen und wenn sie dort zu finden sind, dann nur als Aufmersamkeit für eine Person, die mir was bedeutet. Aber für Figuren nicht. Ich mag die Bedeutung der Namen, mag keine Abkürzungen, außer diese sind selber ganz außergewöhnliche Namen. Ich achte sehr darauf; Namen, Äußeres, Charakterzüge. Sobald die Figur in meinem Kopf mit einem Namen oder dem Äußeren erscheint, meistens mit dem Aussehen zuerst, ist alles unwiderruflich. Sie ist da und weiß, wer sie ist, manchmal füge ich nur noch etwas hinzu, einen fehlenden Faden oder ein Puzzlestück.

In meinem Kopf stecken so viele Ideen,
dass ein Leben wohl nicht ausreichen wird, um sie alle auf zuschreiben.

Cornelia Funke

Entweder ist der Prolog oder das erste Kapitel sofort vor meinem inneren Auge. Manchmal sogar das Ende. Ich sehe es deutlich vor mir. Und dann fügt sich alles sehr schnell selbst zusammen. Ich sehe die ganze Geschichte vor mir, vom ersten bis zum letzten Kapitel, nehme gedanklich einen roten Stift und zeichne eine Linie, wo sich alles trifft. Und dann Tag für Tag wird das Puzzle größer. Ich lasse mir am Anfang Zeit, lasse die Geschichte langsam immer mehr zu mir kommen. Denke tausend Welten, wenn ich morgens zur Arbeit oder Schule fahre. Manchmal lasse ich mich von Musik verführen, mache gerne mal das Radio an, so höre ich Lieder, die scheinbar nur für meine Geschichte komponiert worden sind. 😉

In dieser Zeit sehe ich auch gerne neue Filme und Serien, lese gerne Bücher, die ich noch nicht gelesen habe und / oder höre viel Radio. Ich muss aber gestehen, dass ich in der Zeit, wo ich mir eine neue Geschichte erdenke, weniger Bücher lese, einfach weil sie mich durcheinander bringen und ich nicht schreiben kann. Ich weiß nicht, woran das liegt. Kennt ihr das auch?

Nun, so fange ich jedenfalls meine Geschichte ein und wie ist es bei euch?

Und es gibt so viele Geschichten zu erzählen, zu viele, solch ein Übermaß an ineinander, verwobenen Leben, Ereignissen, Wundern, Orten, Gerüchten, solch ein unentwirrbares Gemisch aus Unwahrscheinlichem und Alltäglichem.
Salman Rushdie, Mitternachtskinder

2. Schluss

Autor:

Schriftstellerin & Künstlerin

17 Kommentare zu „Die ersten Buchstaben auf Papier

  1. Eine wunderschöne Idee, deinen kreativen Prozess zu beschreiben.
    Ich finde es faszinierend, dass du alles vor dir liegen siehst. Bei mir ist es anders. Ich sehe den Anfang und vielleicht auch Teile der Handlung, aber im Grunde entwickelt sich fast alles, während ich es aufschreibe. Manche Kapitel durchdenke ich auch vorher. Erst vor wenigen Tagen hatte ich plötzlich einen Anfangssatz im Kopf und musste mich so schnell es ging hinsetzen und anfangen zu schreiben. Nach zwei Absätzen kam etwas dazwischen, sonst hätte ich wohl noch Stunden weiter geschrieben.

    Liebe Grǘße,
    Sandra

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    1. Hallo Sandra,

      nach ein, zwei Kapiteln entwickeln meine Charaktere ein Eigenleben und dann ändert sich oftmals einiges, was in meinem Kopf ist und so entwickelt sich beim Schreiben manchmal auch etwas anderes. Ich kann dagegen nichts tun, wenn die Charaktere es so wollen, muss ich es tun. 😂

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Jennifer,

    ein wunderbarer Beitrag zu deinem Buch. ❤ Ich kann dich nur zu gut verstehen. Namen sagen so viel. Auch meine haben sich nochmal alle geändert bis sie zum jeweiligen Charakter passten. Und auch das mit dem Lesen geht mir so. Wenn ich schreiben will, kann ich vorher nichts lesen. Ich muss gedanklich frei für meine Geschichte sein, sonst wird das nichts. 😉

    Alles Liebe
    Ella ❤

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Jennifer,
    ich habe diesen Blog durch die Aktion kleine Blogs in Sicht gefunden und bin direkt mal als Follower dageblieben. Gerade der Misch aus Rezensionen und Beiträgen zu anderen Themen gefällt mir. Als jemand, der selbst auch schreibt sagt mir gerade dieser Artikel besonders zu. Ich arbeite auch schon seit Jahren an meinem Roman, wobei der noch nicht fertig ist. Ähnlich wie bei dir habe ich oft zuerst eine Idee von den Charakteren und bilde darum eine Story. Allerdings plotte ich diese genau, weil ich beim Schreiben eine totale Planerin bin. Mit Namen ist das allerdings bei mir das totale Gegenteil. Es fällt mir immer sehr schwer diese zu finden. Oft habe ich eine genaue Vorstellung von den Charakteren und entdecke den Namen erst sehr spät.

    Liebe Grüße und viel Erfolg bei der weiteren Romanarbeit 🙂
    Elisa

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  4. Haha.. mir fällt es immer schwer über den Inhalt zu reden, aber es ist ein Low-Fantasyroman und der Auftakt zu einer Reihe, die voraussichtlich 4 Bände bekommen soll. Habe allerdings vor ein paar Monaten meinen letzten Entwurf in die Tonne gehauen und noch mal von vorne anfangen.

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  5. Hallo Jen,
    ein wundervoller Beitrag! Ich finde es immer großartig zu lesen, wie unterschiedlich def kreative Prozess beim Schreiben aussehen kann. Ich bin glatt ein wenig neidisch, dass sich deine Geschichten so vor dir offenbaren 😉 Bei mir ist es meist eher so, dass ich Charaktere (meist noch nicht vollständig entwickelt) und Handlungs- und Weltenbausteine habe und die dann nach und nach (während ich plotte 😉 ) weiterentwickle und zusammenbaue. Und dann, wenn die Grundsäulen von Charakteren, Handlung und Welt stehen, geht es ans Schreiben.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Ich danke dir, liebe Sarah. Aber neidisch brauchst du nicht zu sein, jeder macht es eben anders. Und du machst es sicherlich auch großartig. 😍😘

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